Chorverband Hamburg

Chorverband Hamburg e.V.

Große Gefühle im sakralen Raum

Das Pop-Oratorium „Die 10 Gebote“ im Hamburger Michel

Fotos: Krafft Angerer

Der Schlussapplaus als stehende Ovation zeigt die Begeisterung des Publikums; aber bereits nach vielen Sätzen, die hier Songs sind, hatten die Menschen schon enthusiastisch geklatscht, und natürlich im Takt zum Schlusslied „Liebe ist das Gebot“. Beide Aufführungen am 13. September berühren mit ihrer Mischung aus, wie ein Zuschauer formulierte, „altem Sujet und moderner Inszenierung“!

Das biblische Geschehen im Altarraum ergänzt mächtiger Gesang aus der Höhe von zwei Emporen zu beiden Seiten: rund 500 Sängerinnen und Sänger setzen taktgenau ein, modulieren und artikulieren so präzise, daß das Drama um die Flucht des versklavten Volkes Israel aus Ägypten in der Vielstimmigkeit realistische Züge annimmt. „Gott war verärgert!“ – den Realitätseffekt fördert auch die Umgangssprache der Texte von Michael Kunze: Jammern und Klagen, Jubel und Frohlocken hören sich wie heute an.

Herausforderung für die Chorleitung ist die Taktkoordination: Christiane Canstein vor dem Chor auf der Nordempore und Kollege Pascal F. Skuppe gegenüber mit dem Südchor sind an den selben Metronom-Klick angeschlossen, wie unten im Altarraum die musikalische Gesamtleiterin Doris Vetter vor dem Orchester, der Band, und hinter dem Spiel des Ensembles: Knopf im Ohr für’s Gleichzeitige!
Nun zeigt sich der Lohn aller Probenmühe: sie bildet das Fundament eines leichten, schwingenden Ausdrucks, der den Choristen auch anzusehen ist.

Die 16-Uhr-Aufführung hatte Verbandspräsidentin Gertrud Schüttler mit Dank auch an die ungenannt bleiben wollenden Sponsoren eröffnet, am Abend um 20 Uhr begrüßt Vize Erwin Barkschat das Publikum, und freut sich, auch Autor Michael Kunze ankündigen zu können: „Es ist kein Oratorium wie sonst in solchen Räumen“, sagt Kunze, „es darf auch zwischendurch geklatscht werden.“
Ihre besondere Dynamik entwickeln die 19 von Dieter Falk komponierten Popsongs aus dem Wechselgesang von Ensemble und Chor: den haben sie erst in den Proben am Tag zuvor gemeinsam einstudieren können. Verbunden werden die Handlungsabschnitte von zwei Jugendlichen – schon recht versiert als Erzähler und Erzählerin.

In der Rolle eines offensiven Moses glänzt Sascha Krebs; Bonita Niessen ist als seine Ehefrau Ziporah selbstbewusst weiblich, hat eine schöne Stimme, strahlt Würde aus und spielt beseelt kitschfrei. Tosenden Applaus aber bekommt in beiden Vorstellungen Stefan Poslovski, der böse Pharao, wohl auch wegen der Überzeichnung seiner Rolle, samt Ironie auf dem Shirt: „It’s hard to be a God“.

Nach 80 Minuten gibt es noch ein Zugabenmedley, aber dann ist Schluss, muss Schluss sein, denn im Michel findet morgen früh wieder Gottesdienst statt – ohne Bühnentechnik. Sie wird noch in der Nacht von der Spezialfirma abgebaut.
Im kurzen Beisammensein aller Beteiligten, auch jenen im Hintergrund des Managements, fällt die Spannung langsam ab – vier von ihnen gilt besonders herzlicher Dankapplaus: Susanne Stock, der professionellen Projektleiterin und ihrem Team, Monika Stöterau für das komplizierte Ticketing, – dem Vizepräsidenten Erwin Barkschat, ohne dessen Übersicht und Durchblick ein mit so vielen Beteiligten und Unwägbarkeiten umzusetzendes Projekt nicht hätte vollendet werden können, außerdem Doris Vetter, die dieses Projekt initiierte, musikalisch leitete, und seit Oktober 2013 organisatorisch und inhaltlich beständig nach vorne brachte.

Ada-Verena Gass

Weitere Informationen

Mehr Informationen und Bilder über das Projekt finden Sie auf der Projektseite.

 
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