Chorverband Hamburg

Chorverband Hamburg e.V.

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Chorfestival Bergedorf - Gesang und Stimmen im HiP

Chorfestival Bergedorf – Großes Ereignis und viele kleine Erlebnisse!

Ein ganz spezielles Wochenende: Für 20 Chöre in drei Konzerten samt Offenen Singen mit Extra-Liederbuch und Workshops! Vom 10. bis 12. April 2015. Oben auf dem Geestrücken, im „Haus im Park“ der Körber-Stiftung, die mit der Bergedorfer Zeitung und dem Chorverband dieses Angebot auf die Beine gestellt hat.

Auch für die noch kurzen: 15 Mädchen sitzen Sonnabend um elf im Stuhlkreis. Am Rand eine junge Chorleiterin aus Hanstedt, die sich was abgucken möchte von den Musiklehrerinnen Christiane Canstein und Maria Ludwig. Beide Kolleginnen – abwechselnd am Klaver oder in der Bewegung – lassen die Kinder erleben, was in ihnen selbst steckt und den ganzen Körper zum Singen vorbereitet! Wer Headbanging von Wacken kennt – hier gehört es zur Ausbildung zum „Stimmakrobaten“! Die Atmung, die Lautung und das Fühlen der Beteiligung des Zwerchfells, das Geradesitzen – alles, damit die Stimme sitzt!

Stimmbildung ist Cansteins Spezialität, in der die Komik ungewohnter Bewegungen und Laute zum didaktischen Konzept gehört. „Gähn‘ dich richtig aus!“ nützt auch, wo’s nicht um’s Singen geht. Die Mädchen werden in ihrer Befindlichkeit mitgenommen, ohne Antreiben und Überstülpen – so wird ihnen die jeweilige Einzigartigkeit ihrer Stimme nahegebracht. Nach einer halben Stunde singen sie daher auch bereits überzeugt und überzeugend „Ich bin der Stimmakrobat, der beste der Welt!“

Ähnlich ganzkörperlich geht es bei den 60 Erwachsenen im oberen Stock zur Sache: Verbandschorleitern Doris Vetter erstaunt alle mit der Bedeutung des Beckenbodens für die Entlastung der Stimmbänder: „Sängerinnen haben selten Probleme bei Geburten“, sagt sie, legt sich hin, um die „Öffnung“ der Muskulatur von Rücken- und Brustpartien nachvollziehbar zu machen. Solche Erkenntnisse lassen sich gut auf Stimmbildungsseminaren vertiefen, die der Chorverband gern das ganze Jahr über vermittelt.

Nebenan im kleinen Raum mit großen Fenstern arbeitet die HipHop Academy: Beatboxing! Dozent Guido Höper hat den Mikrofonkopf in die Hand integriert, so daß es wie beim Hand-vor-den-Mund-Halten zu selbstverständlicher Nähe kommt. Die ist nötig, damit die Explosivlaute richtig auf die Membran im Mikrofon treffen, was diesen umwerfenden Effekt verursacht. Wieviel so eine kleine Anlage kostet? 450 Euro sagt Höper. Schon ist ein neuer Wunsch entstanden, denn Kleine trauen sich wie Große der elf in der Runde, dieses intime Spektakel vorzuführen, Schlaginstrumentenklang mit dem eigenen Mund und Rachenraum zu erzeugen.

Zurück bei den Mädchen: Jetzt wird umgebaut für die Aufführung. Die Eltern kommen, als erstes Publikum ihrer Kinder: „We are the world, we are the children“ singen sie, und da darf es auch der Berichterstatterin den Rücken runterrieseln.

Das Angebot von Reinhard Horn, „Singen – Kraftfutter für Kinderseelen“ nutzen 23 junge Chorleiterinnen und Erzieherinnen, genießen die praktische Anleitung zu Horns Bewegungsideen: „Der Adler will fliegen.“ Und: „Die Bedeutung solcher gemeinsamen Erlebnisse ist neurologisch messbar“ ergänzt er.

Im Saal sitzt derweil fortgeschrittenes Publikum und beobachtet Prof. Dr. Christoph Schönherrs Chorcoaching. Seine frühere Studentin Christiane Canstein, leitet ihren Gemischten Chor Havighorst-Boberg, und alle lassen ihre Fähigkeiten aktualisieren: ein harmonisches Bild kollektiver Qualifizierung, denn auch Takt- und Rhythmusempfinden kann sich abschleifen.

Im Foyer läuft das Saalgeschehen als Public viewing eher nebenbei, denn dort geht es gesellig zu: Die Vier- und Marschländer begrüßen die Bergedorfer Sangesgeschwister, und auch die von weiter westlich Angereisten sind in bester Stimmung.

Um 19 Uhr: Das Konzert! Als erste, zum 1. Mal tutti, also 54: Alle Chöre der Liedertafel Flora von 1861 Zollenspieker mit ihrem Dirigenten Carsten Balster. Anschließend die Männer, die Gemischte und die Flora-Light: Bach, Gounod, Telemann, Pop.
Die 37 Damen des Vokalensembles La Musica unter Uwe Kirsten bringen ein munteres Quodlibet. Die 31 im Chor4Fun aus Altona und die 14 Heimfelder VoiceConnection singen schließlich zusammen Abbas „Mamma Mia“; Chorleiterin Mayya Rosenfeldt freut sich „Das ist heute die erste gemeinsame Probe!“
Aber bevor es in die Pause geht, animiert Christiane Canstein nun auch das Publikum zu inklusiver Toleranz: „Ich bin anders als du“, mit körperlichem Einsatz bis hin zum Erheben.

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    Erlebnis Stimme und Gesang, Doris Vetter mobilisiert…
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    Reinhard Horn: "Der Adler will fliegen“
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    Chorcoaching mit dem Gemischten Chor Havighorst-Boberg
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    Flora tutti
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    Im Foyer: Public viewing
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    La Musica...
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    …vorm gefüllten Saal
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    Chor4Fun und Voice Connection
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    Offenes Singen: „Ich bin anders als du“
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    Bergedorfer Kammerchor
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    LOLA-Chor
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    B’Noise
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    Die Organisatorinnen: Christiane Canstein (Chorverband Hamburg), Elke Ammerschubert (Bergedorfer Zeitung), Lina Kippe (Haus im Park)

Nach Geselligkeit zu Drink und Brezel zeigt sich der gemischte Bergedorfer Kammerchor in klassisch-schönem Outfit mit Ludwig Uhlands zarter Romantik, vertont von Felix Mendelssohn-Bartholdy: „Oh sanfter süßer Hauch“!
Der LOLA-Chor aus dem gleichnamigen Lohbrügger Stadtteilzentrum profitiert schon von dem Coaching vorhin, Leiter Martin Barkowsky verrät, man sei „auf den Groove-Punkt gekommen“, und verspricht 5 Lieder aus 5 Jahrhunderten in 5 Sprachen!

Außergewöhnlich tritt als letzte Formation B’Noise auf. Auch ihr Leiter, Markus Meier, lobt das Coaching, durch das neue Blicke auf alte Stücke fielen. Seit zweieinhalb Jahren sind die elf erst zusammen, vokalinstrumental und – szenisch: Im Lied „Since you been gone“ unterstreichen die Positionen der Solistin zu den Variationen der übrigen Gruppe die Inhalte sehr anrührend. Bis zum Schluss nach Überziehung um 22 Uhr bleibt das Publikum vollzählig, und verlangt eine Zugabe – die als einzige des Abends gewährt wird, so daß er mit dankbarem Applaus endet. Wie gleich der mittlere dieser drei Festivaltage, der inhaltlich und atmosphärisch pars pro toto steht: Als großes Ereignis mit vielen kleinen Erlebnissen.

Bericht und Fotos: Ada-Verena Gass

 
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